The Practice von Seth Godin - eine kurze Buchrezension

Es gibt Bücher, die hat man irgendwie schon mal gelesen. Das Thema ist bekannt und auch die Aussage. Und trotzdem lesen wir sie noch einmal. Oder: Wir kaufen uns ein Buch, dessen Hauptaussage wir schon längst verstanden haben sollten. Ein Beispiel sind Meditationsbücher: Die Hauptaussage ist „lies keine Bücher, sondern setz Dich hin und meditiere. Täglich und für den Rest Deines Lebens.“ Und, machst Du es? Nein, aber ein weiteres Buch zum Thema könnte vielleicht helfen, es doch durchzuziehen.

Ein ähnliches Buch ist “The Practice ” von Seth Godin. Ich habe das Buch kürzlich in der englischen Fassung wie alle Bücher von Seth regelrecht verschlungen und im e-book sehr viele Stellen markiert. Die könnte ich hier natürlich alle zitieren und aufgreifen. Aber das spare ich mir, denn letztendlich besteht das Buch aus vielen Wiederholungen und man merkt dem Buch an, dass es wahrscheinlich aus vielen seiner Blogposts zusammengestellt wurde. Dennoch: Letztendlich geht es die einfache - und so schwer umsetzbare Essenz, die uns schon unsere Eltern einbläuten: Übung macht den Meister. Und: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Gähn. Alles schon gehabt. Aber warum ist gerade dieses Buch so gut?

Anfangen ist einfacher als Dranbleiben. Das ist keine neue Erkenntnis

Ich weiß nicht, ob Tucholski jeden Tag schrieb. Wahrscheinlich schon. Denn nur, wer täglich schreibt, der darf sich auch Schriftsteller nennen, sagt Godin. Und darauf aufbauend motiviert er uns mit vielen Geschichten dazu, nicht nur anzufangen, sondern auch durchzuhalten und die Ergebnisse auch wohlwollend zu teilen.

Wir sollten nicht zu sehr auf die Ergebnisse achten, sondern einfach jeden Tag wieder am Schreibtisch sitzen und stoisch weitermachen. Dabei ist „stoisch“ nicht mit „sturr“ gleichzusetzen. Godin ist es wichtig, dass wir uns und dem Prozess vertrauen und nicht gleich aufgeben, wenn mal nichts klappt. Dranbleiben. Das ist nicht neu, aber Godin findet einfach die besten Worte dafür.

Üben ohne Ziel ist auch langweilig

„The Practice“ lässt sich schnell lesen. Die Umsetzung ist nicht so einfach. Und gleichzeitig ist sie so einfach. Einfach nicht zu sehr darüber nachdenken, ob und wann das dann zündet. Einfach machen. Aber auch nicht blind. Es sollte schon etwas sein, was Dir wichtig ist, was von Herzen kommt. Dann solltes Du aber einfach weitermachen. Möglichst täglich und ohne Ausreden. Außerdem ist ihm wichtig, dass Du Ergebnisse teilst. Dabei geht es nicht um das Schulterklopfen, sondern um das offene Teilen von Ergebnissen - so gut oder schlecht sie sind - und dass wir uns nicht verstecken, am Ende nur geübt haben und Trainingsweltmeister sind, doch trotzdem keinen Blumentopf gewonnen haben.

Insofern sollte „The Practice“ - gerade weil es sich so geschmeidig liest - jedes Quartal auf der Nochmalleseliste stehen, um es nicht zu vergessen. Noch besser, Du bleibst einfach jeden Tag dran und baust einen „Streak“ auf. Aber wir wissen ja aus Erfahrung, dass das nicht immer so einfach ist. Deswegen: Üben, üben, üben und „es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Zu dem Thema gibt es so viele Bücher.

„The Practice“ sollte das letzte Buch dieses Genres für Dich sein. Mehr Buch brauchst Du nicht, um loszulegen und dranzubleiben. Also, warauf wartest Du?