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Persönliche Notizen aus Digitalien.

Wie wäre es mit einem stillen Meeting?

Früher hörte ich den ganzen Tag Musik während der Arbeit. Ich brauchte die Musik, sie trieb mich an. Manchmal war die Musik schneller, lauter, manchmal leise und ganz friedlich. In den letzten Jahren hörte ich immer weniger Musik. Inzwischen ist es etwas ganz Besonderes, wenn ich Musik höre und gleichzeitig arbeite. Meistens höre ich Jazz, das inspiriert mich. Dabei gilt: Je konzentrierter ich arbeite, desto weniger Musik vertrage ich. In einer anderen Notiz habe ich ja über die ständige Dauerbeschallung in unserem Leben geschrieben.

Meine wunderbare Reise von Shu, nach Ha und Ri

In der asiatischen Kampfkunst gibt einen interessanten Weg, der vom Einsteiger zum Meister führt. Das Konzept dafür heißt „ShuHaRi“. Zu Beginn befindet sich der Neuling im Shu: Wir verstehen noch nicht die Hintergründe, versuchen uns einen ersten Überblick zu verschaffen und die anfängliche Motivation schmilzt schnell dahin, wenn sich die ersten Erfolge nicht einstellen. Shu heißt: Verstehe die Regeln und folge ihnen, übe sie. Wenn Du lange genug durchhältst, dann kommst Du an einen Punkt, an dem Du die Regeln so verinnerlicht hast, dass Du sie an manchen Stellen auch bewusst brechen kannst.

Dauerbeschallung

Man stellt sich Australien als sehr ruhiges Land vor. Vielleicht ein wenig Vogelgezwitscher, Meeresrauschen, sonst nichts, Weite so weit das Auge sehen kann. Tiefroter Sand, wenig Menschen. Hier und da ein paar Schlangen, Spinnen und sonstige Viecher. Ich finde aber, dass Australien extrem laut ist. Die Vögel sind unglaublich laut (aber ich mag das), die Musik in den Shopping-Centern sind laut, die Straßen sind lauter, weil hier sehr viele Autos herumfahren.

Was ist wertvoll?

Eigentlich wollte ich heute eine kurze Notiz zum Thema „Agil“ schreiben. Überschrift: „Warum agil nicht immer flexibel“ ist. Dann habe ich mir überlegt, dass das wahrscheinlich niemanden außer mir interessiert. Das ist natürlich kein Hinderungsgrund, um hier in meinen Notizen darüber zu schreiben – denn das ist hier ist wahrscheinlich der einzige digitale Ort, in dem es meistens nur um mich geht. Ganz roh und ungefiltert. Aber Ihr habt Glück, ich werde mich nicht darüber auslassen, warum Agilisten manchmal standfester sein sollten als der Wimpel im Wind, den alle anderen „Stakeholder“ erwarten.

Wie stolz darfst Du sein?

Angenommen, Du willst etwas von einem anderen Menschen. Du meldest Dich, hast ein gutes Gespräch, spürst Interesse und hörst ein „Lass uns was zusammen machen.“ Und dann: nichts mehr. Du hakst nach. Nichts. Du wartest. Zu lange. Es passiert nichts. Jetzt überlegst Du, ob Du Dich noch einmal melden solltest. Vielleicht mit einem dummen Vorwand. Du lässt es. Denn Du willst höflich sein. Nicht stören, nicht auf den Keks gehen. Aber eigentlich bist Du zu stolz.

Freeze - Wann ist genug genug?

Momentan beschäftige ich mich sehr mit dem Loslassen. Ihr müsst Euch keine Sorgen um mich machen. Ich sehe das eher so wie das Zurechtschneiden von Bäumen im Frühjahr. Um einen starken Trieb zu bekommen, muss man beherzt schneiden. Und genau das mache ich. Stark zuschneiden für mehr Antrieb. Ich hatte in den letzten Wochen mit einigen Menschen zu tun, die mich von meinem neuen Weg abhalten wollten. Warum machst Du das?

Welche drei Ideen hast Du verworfen?

Ich habe kürzlich eine interessante Frage gehört: Stell Dir vor, Du bist in einem Meeting und der Vortragende stellt eine Lösung oder einen Konsens vor. Du könntest fragen: „Mich würde interessieren, welche drei Optionen oder Ideen Du verworfen hast - und warum - um hierhin zu kommen“. Wenn Dein Gegenüber ganz souverän auspackt („Wir haben uns erst A angeschaut, weil wir dachten dass… aber letztlich ging es nicht weil x“ - danach haben wir B ausprobiert, weil etc.

Sieben versiebt

Gestern habe ich den ganzen Tag damit verbracht eine fixe Idee in die Tat umzusetzen. Ich folgte einem Link in meinem LinkedIn-Netzwerk auf eine Seite einer Autorin, die eine Art Weblog der alten Schule führt. Sie nennt es „Daily 5 Minutes“ und, so scheint es, schreibt sie in fünf Minuten in einem langen Absatz herunter, was sie gerade erlebt oder an diesem Tag erlebt hat. Sehr persönlich und direkt. Ich bin ein Freund dieses Formats, und da ich ja sowieso jeden Tag schreibe, wollte ich auch so etwas haben.

Die vier Orte der Wahrheit

In einer vorherigen Notiz hatte ich von meinem neuen Zettel- und Merkkasten Joplin geschrieben. Schon seit vielen Jahren versuche ich eine Art „Single Point of Truth“ hinzubekommen. Damit meine ich, dass ich möglichst alles, was ich so schreibe und sammle an einer Stelle halte. Eine ganze Weile war das Devonthink. Da ich aber nun auch mit Windows und Linux-Rechnern unterwegs bin, ist Devonthink nur noch auf meinem iPad verfügbar. Ich mag nicht mehr auf Evernote zurück und mit OneNote hatte ich auch keine so besonders gute Erfahrungen gemacht.

Digitale Fünfminutennotizen

Ich habe fünf Minuten, nicht mehr. Ist das Stress? Nein, eher eine gute Übung, um mir wieder mehr zu vertrauen. Meine Hände sind an der Tastatur, ich schreibe in NEO. Endlich wieder NEO. Damit kann ich blind schreiben. Heute bin ich in meinem Outdoorbüro. Im Gartenschuppen. Im Dach lebt eine Python. Aber ziemlich ungefährlich. Abends raschelt es hier ganz unaufgeregt. Finde ich besser als die Mäuse, die letzten Winter hier waren.

Scrum, scrum und nochmal scrum

In den letzten Wochen war ich ziemlich beschäftigt mein berufliches Leben hier in Australien auf eine neue Schiene zu stellen. Ich hatte ja schon berichtet, dass ich mich nun „Professional Scrum Master“ nennen darf. In einer weiteren Notiz werde ich mal erklären, worum es bei Scrum eigentlich geht. In der Zwischenzeit hatte ich einige Treffen mit Menschen aus der IT-Industrie und herausgefunden, dass Scrum Master wohl eher in Sydney als in Newcastle gefragt sind.

Joplin ist mein neuer digitaler Zettelkasten

Vor einer Weile hatte ich schon eine Notiz zum Thema „Digitaler Zettelkasten“ geschrieben. Darin erläutere ich, warum Notizen so einfach wie möglich abgespeichert werden sollten, um sie zukunftssicher aufzubewahren. Also: einfache Text-Dokumente in lesbarem Markdown. Idealerweise können die Notizen auf dem eigenen Server oder eigenen Cloud abgelegt und von jedem Gerät aus lesbar sein. Mit Joplin habe ich nun einen neuen Open-Source-Favoriten, bei dem es bleibt. Die Suche ist beendet. Joplin erfüllt (fast) alle Kriterien:

Gut sortiert

In der „Jewells Plaza“, das ist so ein kleines Einkaufszentrum in der Nachbarschaft, gibt es gleich am Eingang einen ganz besonderen Laden. In dem Geschäft gibt es ALLES. Und ich übertreibe da nicht: Gartenartikel, Geschenkartikel, Elektronik, Masken für Thanks Giving, Angeln, Schreibwaren, Klopapier. In dem kleinen Laden mit den engen Gängen sind die Produkte extrem hoch gestapelt. Wenn man in das von einem umtriebigen Pärchen asiatischer Herkunft kommt, befindet man sich in einem kleinen Krämerladen in Peking oder in Laos.

Walking the walk

In den letzten zwei Wochen habe ich mich hier vornehm zurückgehalten. Das heißt aber nicht, dass ich nun nicht mehr blogge. Im Gegenteil: Ich arbeite gerade daran, dass ich mehr Zeit zum Schreiben in deutscher Sprache habe und gleichzeitig mich hier in Australien auf andere Sachen konzentriere. Seit einiger Zeit ist mir schon klar, dass ich eigentlich kein Social Media-„Evangelist“ sein will. Im Gegenteil: Ich meide seit einer Weile Social Media, weil ich meine Zeit anders verwenden will als Menschen zuzuhören, die nur etwas (oder sich selbst) anpreisen wollen.

Scrum für Autoren – geht das?

Ich fräse mich gerade tief in das Scrum-Framework. Dabei geht es um ein agiles Arbeiten, das sich von Sprint zu Sprint hangelt und die ganze Zeit „Inkremente“ erzeugt. Ein Inkrement ist nichts Ekliges, sondern ein Puzzlestück, das letztlich das komplette Bild ergibt. Doch im Gegensatz zu den herkömmlichen Arbeitsweisen, dessen Ergebnisse erst am Ende nach einer kräftezehrenden letzten Phase sichtbar werden, geht es bei Scrum um vorzeigbare, „fertige“ Teilergebnisse. Ursprünglich kommt Scrum aus der Software-Entwicklung.

Buchnotiz: Midnight Library von Matt Haig

Nachdem ich in den letzten Jahren viele Non-Fiction-Fachbücher gelesen habe, habe ich mich seit einer Weile endlich wieder Romanen geöffnet. Ich glaube, ich war einfach „voller Rezepte“ und Wissen, das ich momentan gar nicht umsetzen kann oder mag. In den letzten Monaten habe ich also viele Bücher gelesen. Dabei versuche ich möglichst australische Autoren zu lesen, um die hiesige Kultur besser zu verstehen. Besonders gefallen haben mir „Bruny“ von Heather Rose (ich habe auch „Museum of Modern Love“ gelesen, ebenfalls brillant) und eine spannende Buchserie von Chris Hammer.

Eine gute Idee (bis Du sie anderen erzählst)

Du hast eine hervorragende Idee. Seit Tagen denkst Du darüber nach. Aus der Idee entsteht eine Vision, die mit jedem Tag attraktiver wird. Du sitzt auf einer Goldmine. Jetzt gräbst Du tiefer, holst immer mehr aus der Idee heraus. Mehr Recherche. Energie schießt in Dein Gehirn und in Deine Körperzellen. Du weißt, diese Idee ist es. Endlich. Denn Du hattest in Deinem Leben schon so viele Ideen. Manche hast Du in ein Projekt umgewandelt, andere hast Du verworfen.

Spielintelligenz fördern

Hier in Australien wird nur im Winter Fußball gespielt. Für meinen Sohn war das zunächst ein Schock und eine Riesenenttäuschung. Im Sommer spielen die Australier Cricket, denn da macht es nicht viel aus, wenn alle stundenlang herumstehen. So ist die Hitze besser zu ertragen. Doch auch im Winter funktioniert hier Fußball anders. Es gibt „Community Football“ und ein „Skills Akquisition Programme“ (SAP). Wer öfter als ein Mal pro Woche trainieren, also „richtig“ Fußball spielen will, muss für ein halbes Jahr SAP über 1.

Die Illusion der Erklärungstiefe

Journalisten haben immer mit dem „gefährlichen Halbwissen“ zu kämpfen. Manche überspielen es mit einer übertriebener Arroganz, andere mit versuchen es mit eingestreuten Wissenshappen zu kaschieren. Selbst als Fachjournalist gibt es ein Wissensdelta, das zumindest die tiefen Experten sofort aufspüren. Andere Journalisten arbeiten fleißig daran, das Halbwissen in ein Dreiviertelwissen umzuwandeln. Dabei bleibt immer dasselbe Gefühl: Wann werde ich als Scharlatan enttarnt. Ich hatte schon vorher über das „Imposture-Syndrome“ geschrieben. Heute habe ich im Radio einem australischen Politiker zugehört, der keine der Fragen, auch nicht die Nachfragen der Radiomoderatorin konkret geantwortet hat.

Die Definition von Bereit

In einem anderen Beitrag habe ich bereits über die „Definition von Fertig“ (Definition of Done) geschrieben. In Scrum sind diese vom Team festgesetzten Kriterien entscheidend, um eine abgeschlossene Aufgabe als „Inkrement“ zu werten. Ein Inkrement ist nichts anderes als ein neues Puzzleteil, das seinen Platz im Puzzle gefunden hat. In Scrum wird jedoch nicht spezifisch eine „Definition of Ready“ gefordert. Den Aufgaben können zwar individuelle „Acceptance criteria“ zugewiesen werden, aber projektübergreifend gibt es das nicht.