Zwar ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Südafrika wieder „nur” – das ist ja allerhand – Dritter geworden, aber es hat sich in den letzten vier Jahren schon sehr viel getan. Die Mannschaft spielte besser und ich habe noch nie so viel gestreamt wie bisher.
Das ging schon beim Eröffnungsspiel los: Wir hatten eine Geburtstagsgartenparty und dachten uns, dass wir nebenrher auch das Spiel auf einem Fernseher anschauen würden. Unser Nachbar versprach uns seinen kleinen Fernseher, als er dann mit seinem Mini-Fernseher und seiner Riesenhirschgeweih-Antenne stand, mussten wir erst einmal herzlich lachen. So was gibt es noch? Das klappte natürlich nicht mehr, aus der Luft ließ sich kein Signal mehr fischen. Alles digital.
Was tun, wir wollten schließlich nicht die halbe Gästeschar in Richtung Wohnzimmer abwandern sehen. Ich hatte eine Idee: Vielleicht reicht mein WLAN und mein Repeater bis in den Garten runter? Das probierte ich und siehe da, wir konnten mein WLAN anzapfen und mit Zattoo (auf dem mac) das Spiel Südafrika gegen Mexiko gucken. Naja, oft gab es nichts zum Gucken, denn das Bild stand meistens, die Streamingkapazitäten waren erschöpft. Auch schaffte es der Ton aus Südafrika nur spärlich in unseren Garten. Das war noch nicht das Gelbe vom Ei. Beim nächsten Spiel zwischen Frankreich und Uruguay ließen wir dann RTL streamen, das ging schon besser, weil vielleicht weniger Leute das Spiel sehen wollten oder RTL mehr Bandbreite dafür hatte.
EM 2000 mit Streams und Pausengesprächen
Vor zehn Jahren war das noch komplett anders. EM 2000: Damals wurden noch keine Videostreams angeboten, aber ich war weit weg von der Heimat, die Amerikaner interessierten sich nicht für die EM-Spiele, also blieb nur das Internet-Radio. Ich hatte einen „house sitting job” für Freunde, musste also auf Haus und Katze aufpassen, durfte dafür an den Kühlschrank ran und das DSL anzapfen.
Vor zehn Jahren war das in den USA eine recht neue und nicht weit verbreitete Technologie. Also wählte ich BR5 und hörte die Radioreportagen, die sich sowieso viel spannender als die TV-Kommentare anhören und die Radioreporter einfach fitter sind, wirklich was leisten. In der Halbzeitpause kam aber keine Musik oder die Nachrichten, sondern der Stream ging einfach weiter.
Der BR hatte den Stream nicht abgeschaltet und so konnte man mithören, was die Radioreporter so am Vortag machten, sie unterhielten sich recht privat über Spieler – „Ich weiß gar nicht, warum Du den Ballack gut findest” – und nach vielleicht 10 Minuten hörten sie dann aus dem Sendestudio, dass sie die ganze Zeit „on air” gewesen sind. Da sagte der eine Reporter, dass doch sowieso niemand zuhören würde und überhaupt wäre das doch alles nur ein teurer Quatsch. Das war vor zehn Jahren!
WM 2014 im Komplettstream
Teuer ist das immer noch, aber die WM hat gezeigt, dass die Streams doch gut genutzt werden, jedenfalls stand das Bild oft, die Qualität der Streams ist aber gleichzeitig auch immer besser geworden. Bei der WM 2006 habe ich noch kein Spiel gestreamt. Doch nun haben wir öfter meinen Laptop mit ins Schlafzimmer genommen und der Rest der zweiten Halbzeit gestreamt. Das ging gut.
2014 werden wir vielleicht nur noch streamen. Vielleicht hat dann das IP-Fernsehen das Satelliten- und Kabelfernsehen überholt. Das kann ja sein und dann wären wir nicht mehr so abhängig vom Fernseher. Ich glaube, dass aber auch dann niemand mit dem Handy fernsehen wird. 2006 hatten das die Mobilfunkfirmen probiert, dieses Mal auch. Hat wieder gefloppt, oder? Möglicherweise haben wir dann alle ein iPad und dann nehmen wir das iPad zum Fernsehgucken. Oder das iPad hat inzwischen einen eingebauten Beamer, mit dem wir das Bild dann an die Wand strahlen können. In vier Jahren kann da einiges passieren. Die Mannschaft wird dann noch besser spielen, die Goldene Generation Spaniens tritt ab und macht den Weg frei zum vierten Stern.