Viele Jahre hatte ich eine ziemlich romantische Vorstellung vom Landleben: ruhig, langsamer und gesünder. Ein besonderes Bild und eine Person hat mich dabei immer geprägt. Es ist Wendell Berry. Hier in Deutschland kennt man den Schriftsteller und Dichter nicht besonders und auch in den USA ist Berry nur wenigen Kreisen bekannt.
Die Texte von Wendell sprechen zu mir. Er lebt auf einem großen Bauernhof in Kentucky und meldet sich aus der Ferne immer wieder mit Essays, die Themen mit dem nötigen Schuss Distanz angehen, einen anderen Blickwinkel, Raum zum Weiterdenken geben. Ich habe mir immer vorgestellt, ein solches nachhaltiges Leben wie Wendell Berry zu führen. Soweit wird es wohl nie kommen, aber immerhin habe ich es schon aufs Land geschafft und genieße die Ruhe und den erweiterteten Spielraum für neue Ideen, die das Leben auf dem Land bietet.
Wie komme ich nun von Wendell Berry auf den Titel „Warum ich mir kein iPad kaufe”, werden Sie sich fragen? Seit einigen Jahren begleitet mich ein steinaltes Essay von Wendell Berry, das ich immer wieder für meine Entscheidungen heranziehe. Das Essay heißt „Warum ich mir niemals einen Computer kaufe” und es ist aus dem Jahr 1987.
Ich weiß nicht, ob Berry immer noch auf seiner Schreibmaschine schreibt oder ob er immer noch seine Frau dafür einspannt, seine handgeschriebenen Texte in den Computer zu überführen, aber in seinem Essay führte Berry verschiedene Grundsätze an, die auch jetzt noch recht gültig sind. Demnach würde er nur umsteigen, wenn folgendes gewährleistet wäre:
- The new tool should be cheaper than the one it replaces.
- It should be at least as small in scale as the one it replaces.
- It should do work that is clearly and demonstrably better than the one it replaces.
- It should use less energy than the one it replaces.
- If possible, it should use some form of solar energy, such as that of the body.
- It should be repairable by a person of ordinary intelligence, provided that he or she has the necessary tools.
- It should be purchasable and repairable as near to home as possible.
- It should come from a small, privately owned shop or store that will take it back for maintenance and repair.
- It should not replace or disrupt anything good that already exists, and this includes family and community relationships.
Was bedeutet das nun für das iPad, kann man das übertragen?
1. Das neue Werkzeug sollte günstiger sein als das, was es ersetzt.
Das iPad ist sicherlich nicht günstiger und es ersetzt eigentlich noch nicht einmal etwas. Ein Buch ist günstiger und einen Laptop habe ich schon.
2. Es sollte mindestens genauso klein sein wie das zu ersetzende Werkzeug.
Das stimmt schon. Aber was ersetzt das iPad eigentlich? Mein iPhone ist kleiner, mein Laptop nicht viel größer, aber auch zu schwer.
3. Man sollte damit nachweisbar besser und schneller arbeiten können.
Das iPad ist ein Spielzeug. Mehr nicht. Schneller und besser kann man damit nicht arbeiten.
4. Es sollte weniger Strom verbrauchen als das zu ersetzende Werkzeug.
Das könnte sein. Wahrscheinlich verbraucht ein iPad weniger Strom, aber ich kann damit nicht richtig arbeiten, also ist das egal.
5. Wenn möglich, sollte es von erneuerbaren Energien angetrieben werden.
Wendell Berry schrieb das 1987! Aber selbst 2010 ist das noch nicht umgesetzt. Leider klappt das noch immer nicht und die wenigen Gadgets funktionieren nicht. Wir haben nun schon den dritten Solarwecker, die Dinger sind einfach Schrott. Vielleicht kommen Solarpanels für eine nächste Version des iPads, genug Fläche gäbe es ja dafür.
6. Es sollte von einem Mensch mit durchschnittlicher Intelligenz bedienbar und reparierbar sein.
Dream on, Wendell. Das gibt es doch nicht mehr. Keiner kann mehr alleine ein Auto reparieren, geschweige denn die Uhr im Videorekorder umstellen. Und warum, bitteschön, braucht man einen Mac, um das iPad damit zu koppeln? Für meine Eltern wäre das schon zu viel.
7. Man sollte es in der Nähe kaufen und reparieren lassen können.
Naja, dieser Punkt ist heutzutage auch nicht mehr so wichtig. Es kommt ja alles per Post.
8. Es sollte von einem kleinen, privaten Laden verkauft worden sein, der es auch zurücknimmt und reparieren kann.
Vielleicht bin ich der Einzige, aber mir gehen die Apple-Stores einfach auf den Keks. Die Mitarbeiter glauben, ihr Produkt wäre so hipp, dass sie keinen Service anbieten müssten. Beratung? Wer sich nicht auskennt, soll doch woanders hingehen!
9. Es sollte nicht das Familienleben stören oder unterbrechen.
Ok, also kein iPad am Esstisch. Damit könnte ich leben.
Also gut. Ich muss sagen, das iPad gefällt mir gut und wenn es mir jemand schenken würde, dann würde ich schon Verwendung dafür finden. Ich warte aber nun erst einmal die zweite und dritte Version ab. Ich hatte gerne ein iPad mit einer Solarzelle und einem noch besseren Bildschirm. Außerdem sollte es so gebaut sein, dass es auch mal vom Tisch fliegen kann oder ich es in meiner Tasche haben kann, ohne dass es sofort zerkratzt. Dann können wir noch einmal darüber reden.