Wahrscheinlich geht es Ihnen auch so: Sie leben in Ihren Routinen und wissen, dass es mit nur kleinen Änderungen langfristig schneller und mit weniger Energie läuft – wenn Sie sich nur aufraffen könnten, es zu ändern. Nun ist der Mensch ein Gewohnheitstier und es dauert eine Weile, bis sich neue Routinen einschleifen. 21 Tage jeden Tag reicht, um eine neue Routine zu etablieren. So heißt es hier. Da muss man dranbleiben.
Und man sollte nicht gleich mehrere Routinen gleichzeitig verändern: Früher aufstehen, jeden Tag einen Apfel essen, sporteln und 3 Liter Wasser trinken – wer das gleichzeitig versucht, wird es nicht hinbekommen.
Also, Beharrlichkeit und viel Geduld zahlen sich aus. Ich tippe nun ausschließlich mit dem Neo-Tastaturlayout und bin sehr zufrieden, dass ich dran geblieben bin. Das war nicht einfach und eine Weile bin ich immer wieder zurückgefallen in meine Vierfingertipptechnik. Gerade dann, wenn ich es eilig hatte, etwas in einer halben Stunde fertig haben musste. Nun kann ich mit Neo fast blind tippen und ich habe keine Sehnenbeschwerden mehr. Die lange Umstellung hat sich gelohnt. Ich bin noch immer nicht perfekt, schaffe aber immerhin zuverlässig etwa 40 Worte pro Minute.
Barfuß laufen im Allgäu – geht auch woanders
Und es lohnt sich auch in anderen Bereichen: Seit einigen Jahren möchte ich eine neue Lauftechnik lernen. Hier in Wangen kann man bekanntlich gut laufen. Manche nennen es “qi running“, andere “barefoot running“. Letztendlich geht es dabei um eine Verbesserung des Laufstils, um kraftsparender und für die Sehnen und Gelenke beschwerdefreier zu laufen. Dazu sollte man nicht auf den Fersen, sondern eher auf dem Vorderfuß landen und dann nicht aktiv abdrücken, sondern einfach den Schwung nutzen, die Beine hochnehmen, dabei ganz locker bleiben und dann die Beine wieder unter oder hinter dem Körperschwerpunkt aufsetzen.
Das funktioniert nur, wenn man sich etwas nach vorne neigt. Stellen Sie sich aber nun kein Klappmesser vor. Denn der Körper bleibt weiterhin gestreckt. Dazu gehört also Körperbeherrschung und vor allem ein guter Beckenboden. Meine Frau ist Hebamme, die könnte das mit dem Beckenboden viel besser erklären. Und es lohnt sich. Denn wenn Sie es schaffen, den Beckenboden zu aktivieren, das Becken leicht nach vorne und nach oben zu ziehen, dann geht alles einfacher. Nicht nur beim Laufen, Stehen oder Sitzen, sondern auch im Alter.
Eine Lauftechnik umzustellen bedeutet, dass man von Null anfangen muss. Da helfen nicht die vielen Kilometer, die ich in den Jahren zusammengelaufen habe. Auch hier gilt: Ganz langsam starten, auch mal gehen und eine Weile nicht mit anderen laufen und sich ganz auf den neuen Stil einlassen. Schneller geht es, wenn Sie nur noch so laufen und nicht mehr in alte Muster zurückfallen. Ein Jahr braucht man dafür bestimmt. Aber das ist doch eine tolle Sache, wenn Sie dann langfristig beschwerdefrei und wahrscheinlich mit weniger Kraftaufwand schneller und länger laufen können.
Neue Routinen langsam kommen lassen
Und so ist es doch auch in der Arbeit: Zeit lassen, neue Routinen meistern. Momentan lese ich überall über den Produktivitätswahn. Einige Autoren schreiben nun auch dagegen, weil die Produktivitätsgurus einfach zu starre und komplizierte Systeme vorschlagen. Wer will das alles schaffen. Auch hier gilt, dass Sie mit Beharrlichkeit eher erfolgreich sind. Starten Sie doch mit Zero Inbox. Wenn Sie mit Ihrem Posteingang fertig werden, dann können Sie mit gtd oder zentodone oder einer anderen Produktivitätstechnik weitermachen. Auch hier gilt, dass Sie mit kleinen Schritten über einen längere Zeit besser fahren. Und es hilft auch, die Erwartungen runterzuschreiben. Wenn Sie zum Beispiel Neo lernen, dann machen Sie mehr Tippfehler. Schreiben Sie immer weiter. Irgendwann werden die Tippfehler so „klein”, dass Sie nur noch eine Rechtschreibprüfung drüberlaufen lassen müssen.
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