Die perfekte Welle sieht (noch) anders aus

googlewave3

Wenn Sie schon länger im Internet unterwegs sind, dann hatten Sie bestimmt auch noch eine Signatur, die etwas über Ihre wahre Einstellung verriet. Dazu brauchte man damals keinen Blog, Facebook oder Twitter, sondern eben nur E-Mail.

Erinnern Sie sich noch? War es ein Zitat oder ein launiger Spruch wie „An apple a day keeps the doctor away”? Bei mir stand von 1996 bis mindestens 2001 – da war es schon so uncool, dass es wieder retro war – folgender Spruch unter meinen E-Mails:

„You can‘t stop the waves – but you can learn to surf”

Wer hätte damals gedacht, dass in dem Satz nicht nur tiefe Weisheit steckt, sondern noch mehr, sich richtig visionäre Ansätze zeigen. Klar, das wusste ich immer schon. Naja, vielleicht auch nicht. Aber jetzt steht fest: Wir denken bald nur noch in waves, in Wellen, die auf uns zuschwappen und wir nur hoffen, dass sie uns nicht wegspülen werden. Jedenfalls, wenn es nach dem Willen der Visionäre von Google geht.

Zugegeben, damals gab es das Bild der Informationsflut auch schon, aber die Wellen waren draußen am Strand, am Pacific Beach in San Fran und nicht in einer blau umrandeten Box in meinem Browser. Aber jetzt trifft sie uns, die perfekte Welle, die antritt, die seit 30 Jahren unangefochtene Killeranwendung des Internets, die E-Mail, herauszufordern. Bald heißt es: „Ich hab Dir ne wave geschickt. ” Wer da noch auf E-Mails wartet, wird weggespült. Ob es wirklich soweit kommt? Ich bin gespannt.

„You can‘t stop the google wave – but you can learn to use it for your benefits”

Seit ein paar Tagen bin ich also auch auf der „Welle”. Ich sitze also auf meinem Brett, schaue auf ein ziemlich flaches Meer und warte auf eine prima Welle, mit der ich eine Weile Zeit verbringen kann. Meine Freunde sind noch nicht da, deswegen schaue ich mir zunächst an, welche Wellen gerade laufen.

Auf den ersten Blick sieht Google Wave aus wie ein gepimptes Googlemail: Links ein paar Ordner, in der Mitte ein paar Nachrichten und links Detailansichten der Nachrichten. Das sind also die waves. Eine Nachricht ist eine wave, weil darin jeder mitpfuschen kann. Ich schicke also nicht einem anderen User eine E-Mail, warte dann die Antwort ab und schreibe zurück, ich starte eine Welle, schreibe meine Nachricht rein und warte. Jetzt kommt schon die erste Hürde: Wer mit auf der Welle reiten will, muss natürlich auch google wave-Mitglied sein. Wer das nicht ist, hat Pech gehabt.

Zusammen “waven” – wer will das?

Wer aber dabei ist und auch in meinen Kontakten eingeordnet ist, kann zu einer wave eingeladen werden. Wir können dann beispielsweise zusammen in einer Wave an einem Dokument arbeiten. Das geht in Echtzeit. Spannend. Also ist das so, als würde ich mit meinem Kumpeln mit einem Messenger chatten und wir erstellen gleichzeitig ein Dokument.

Wenn jetzt viele Leute an einer wave arbeiten und in der Lage sind, tatsächlich so konsistent und konzentriert dabei zu bleiben, dann hat man nicht nur etwas zusammen geschafft, sondern kann genau verfolgen, was jeder Teilnehmer dazu beigetragen hat.

Mehrwert oder mehr Müll? Das weiß bisher niemand.

Warum soll das wave besser können als alles per E-Mail zu regeln? Manche Prozesse können ja mitunter sehr kompliziert werden: Es fliegen viele E-Mails hin und her und am Ende wissen nur die wenigsten der Beteiligten, worum es geht. Vielleicht haben Sie auch die Erfahrung gemacht, dass eigentlich niemand mehr Zeit hat, überhaupt noch E-Mails zu lesen. In der wave bleibt alles zusammen. E-Mails, Dokumente, Bilder, Audio-Kommentare und Videos dazu. Wenn jemand etwas ändert oder etwas hinzufügt, dann aktualisiert sich die Welle wie ein rss-Feed. Das soll die Übersichtlichkeit verbessern. Ob das funktioniert oder doch eher verwirrt? Darüber schreibe ich in der nächsten Folge.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>