GPS, Herzfrequenzmessgeräte oder kleine Schrittzähler: Erst die Digitalisierung und die Visualisierung der gesammelten Daten helfen dabei, neue Gewohnheiten einzuschleifen. Das hatte ich bereits in einem anderen Beitrag erklärt. Inzwischen zähle ich weiter meine Schritte mit dem Fitbit. 10.000 Schritte will ich täglich schaffen. Habe ich abends erst 8.000 Schritte auf meinem Display, dann gehe ich noch einmal kurz raus — sicherlich eine Extramotivation; ich wäre sonst sicherlich zuhause auf dem Sofa versumpft. Schon interessant, dass eine kleine Zahl auf einem technischen Gerät zur Bewegung motivieren kann. Ich habe aber noch viel mehr für mich herausgefunden, z.B. den Zusammenhang von Aktivität und Produktivität.
Zucker für Medienjunkies
Liebe Kunden: Wer nur auf den Preis schaut, der muss sich nicht wundern, wenn die arme Lebensmittelindustrie in einen gefährlichen Preisdruckstrudel gerät und aus lauter Verzweiflung und Verantwortung für die werten Mitarbeiter die Ware etwas streckt; hier und da günstigere Zutaten dazumischt oder die gesamte Produktion nach Weißrussland verlegt.
Ganz klar: die Lebensmittelindustrie ist Opfer. Denn der Markt ist hart umkämpft. Wer nicht mitgeht, zu teuer produziert, der ist bald nicht mehr dabei, Arbeitsplätze (das As sticht immer!) stehen auf dem Spiel. Die Lebensmittelindustrie kann gar nicht anders, sie muss mit. Bei aller Ironie: Schuld sind die Käufer, denn der Pudding für 29 Cent geht natürlich besser weg als der Pudding für 39 Cent. Schmecken Sie den Unterschied? Niemals. Und was hat das jetzt alles mit der Medienwelt zu tun? Eine Menge.
Das geklaute Diplom
Im Sommer des Jahres 1999 — ja, vor 14 Jahren — traf ich im italienischen North Beach-Viertel von San Francisco einen quirligen jungen Mann, John Barrie. Eigentlich wollten wir uns auf einen Kaffee treffen, aber er wollte erst noch ein wenig durch die Straßen ziehen. Das ist lange her, aber ich erinnere mich noch genau an den Enthusiasmus des Lockenkopfes. Im Dezember 1999 veröffentlichte die Zeitschrift Internet Pro in der Rubrik Pl@net diesen Beitrag, den ich so gut wie unverändert hier veröffentliche. Ich habe lediglich die neue deutsche Rechtschreibung angewendet. Wahrscheinlich hätte ich den Beitrag heute anders geschrieben, aber es ist ein historisches Dokument.
Brooks ist ein cleveres Kerlchen. Das muss er auch sein, schließlich studiert er an der Stanford-Universität in Palo Alto, eine sehr angesehene Uni in der San Francisco Bay Area. Er ist fast durch dieses Semester, muss nur noch zwei ”Term Papers” schreiben. Doch daran hängt nun sein Weiterkommen, seine Karriere, sein Status. Vor allem seine Eltern sind daran interessiert. Die haben immerhin schon gute 60.000 Dollar in den letzten zwei Jahren rein gepumpt. Kein Pappenstiel. Und der Junge soll später mal die Arztpraxis übernehmen. Daran wird Brooks auch jedes Mal erinnert, wenn er wimmernd auf der Couch liegt und von den fast unmöglichen Aufgaben erzählt. Nur noch ein paar Tage. 60.000 Dollar. Hätte er sie, würde er damit abhauen. Denn was er bisher geschrieben hat, bringt ihn nirgendwo hin.
Neo für Fortgeschrittene (mit Nexus 7)
Seit einer Weile suche ich schon nach einer guten Möglichkeit, eine externe Tastatur an mein ipad und iphone anzuschließen, um so auch mobil mehr als ein paar Worte einzutippen. Denn vielleicht bin ich schon zu sehr “old school“, aber ich brauche einfach eine vernünftige Tastatur. Da ich seit ein paar Jahren auf dem Neo-Tastaturlayout blind tippe, benötigte ich für iOS eine App, die das Verbiegen des Tastaturlayouts schafft. Meine Suche war vergeblich und erst das brachte mich dazu, mal nach Apps für Android zu schauen. Und siehe da, es gibt eine App!
Meine neuen E-Mail-Öffnungszeiten
Wer in letzter Zeit E-Mails von mir bekommen hat wird sich vielleicht ein wenig wundern. Denn in der Signatur steht:
Bitte beachten Sie meine neuen E-Mail-Öffnungszeiten um 10 und um 16 Uhr.
Was hat er sich denn da wieder ausgedacht, werden Sie sich vielleicht fragen. Früher freuten wir uns, wenn E-Mails eintrudelten und wir möglichst viele E-Mails im Postfach hatten. “Wie viel E-Mails hast Du? Wow, ich hab noch ein paar Tausend mehr.” Und nun? Das E-Mailpostfach wird nur noch 2 Mal täglich geöffnet.
Produktiv kreativ — kreativ produktiv?
Es ist gar nicht so schwierig wirklich produktiv zu sein: Arbeiten Sie einfach fleißig Ihre Listen ab, die Sie nach bestimmten Schlüsselworten markiert haben, schreiben Sie Ihre täglichen Ziele auf ein Whiteboard über Ihren Schreibtisch, schalten Sie eine Weile das Telefon aus oder schließen Sie Ihr E-Mailprogramm. In der Zeit können Sie schon eine Menge wegboxen — aber schaffen Sie auch ein kreatives Produkt?
Meistens geht es gar nicht um Kreativität. Rechnungen müssen überwiesen, E-Mails beantwortet oder Telefonate geführt werden. Wer das den ganzen Tag macht, wird am Ende des Tages müde und vielleicht sogar zufrieden ins Bett fallen. Reicht das? Dabei geben uns doch gerade die kreativen, unvorhersehbaren Elemente den größen Schwung. Einfach mal eine Stunde Freispielen, ohne Ziel durch das Web surfen, auf einem Notizblock kritzeln, einen halben Tag auf der Treppe vor dem Haus sitzen und auf die Straße starren — und das an einem Wochentag, ganz zeitverschwenderisch.
Freispiel? Wer in der Produktivitätsfalle sitzt, wird schnell ein schlechtes Gewissen bekommen. Was, mitten am Tag zwei Stunden die Seele baumeln lassen, NICHTS erledigen, nichts abhaken? In der Zeit kein Geld verdienen? Das geht nicht. Auf dem Weg zum Eingang könnte man doch wenigstens die Blumen gießen. Auch nicht? So eine Zeitverschwendung. Oder etwa nicht?
Laufend Gewohnheiten einschleifen
Routine ist ein Wort, das man erst im zunehmenden Alter zu schätzen weiß und auch dann erst richtig lebt — ohne es spießig zu finden. Bei mir ist das jedenfalls so. Während ich früher dachte, ich müsse immer alles neu erfinden, alles anders machen, immer einen unbekannten Weg einschlagen, bloß nichts wiederholen, so bewege ich mich doch nun immer mehr in Richtung DRY: “Don´t repeat yourself“, lerne aus Deinen Fehlern und verfeinere, was funktioniert hat. Den Rest: lassen.
Das hat auch etwas mit dem Zeitfaktor zu tun. Als Familienvater habe ich eben nicht mehr so viel Zeit, um in jede Gasse zu laufen; um herauszufinden, ob es dort etwas zu holen gibt oder nicht. Ich folge lieber meinem Bauchgefühl und meiner Lebenserfahrung, finde Abkürzungen und schleife Routinen ein, um neuen, spannenden Herausforderungen begegnen zu können — ohne mich dabei von Dingen bremsen zu lassen, die ich doch eigentlich schon mal konnte.


